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Cover Buch Erzählungen aus einer anderen Welt- drohende orange-rot-schwarze Wolken über einem Weg, der lns Unendliche führt-im Hintergrund zeugen dichte Rauchwolken von Not und Zerstörung- ein einsamer Baum versucht sich zu behaupten

Aber über "Entschädigungen" spricht niemand ...

22. Februar 2002

Rezensentin/Rezensent: Gotthard Manteuffel aus Buchen Deutschland

Viel - und zu Recht - ist in den vergangenen Monaten die allgemeine Rede gewesen von Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter, wiewohl erstaunlicherweise immer nur an solche in deutschen Diensten. So kommt dieses Buch gerade rechtzeitig, um ein - wenn schon nicht materielles, so doch wenigstens publizistisches ! - Gleichgewicht herstellen zu helfen. Die - wohlweislich ? - unter Pseudonym arbeitende Herausgeberin eines (noch nicht vorliegenden) Dokumentationsbandes über deutsche, zu Zwangsarbeit (und Schlimmerem) in die Gulags und Bergwerke der UdSSR verschleppte Frauen war von deren Erzählungen offenbar so tief beeindruckt, daß sie nicht nur deren bare Fakten zu Protokoll nahm und statistisch auswertete, sondern auch deren Erzählerinnen persönlich zu Wort kommen lassen wollte. Da diese aber meist der geschriebenen Rede nur wenig mächtig waren, hat sie ihnen einfühlsam die eigene Feder geliehen. Was dabei herauskam erscheint uns hier und heute in der Tat wie "aus einer anderen Welt", - und zwar aus einer so fürchterlichen, daß die Lektüre dieser kurzen Darstellungen kaum auf einmal bewältigt werden kann !

Mit am deprimierendsten wirkt dabei die unbestreitbare Tatsache, daß der jahrzehnte-lange Leidensweg dieser schlichten Heldinnen - von denen der überwiegende Teil ihren Qualen längst erlegen ist, sodaß nur die allerwenigsten noch Auskunft zu geben vermögen - leider mit ihrer, oftmals viele Jahre lang ersehnten Heimkehr nach Deutschland keineswegs zu Ende war. Denn ihr erstes Ziel war ja in aller Regel erst einmal die DDR, wo aber Spätheimkehrer - jenseits eines willkürlich festgelegten Datums - einfach als "Kriegsverbrecher" galten und wo von jeder offiziellen Seite das Problem der Zivildeportierten prinzipiell ignoriert wurde. Ja, nicht einmal mit Flucht aus der DDR, mit Einheit und "Wende" kamen diese Quälereien ans Ende : Die herz- und gewissenlose Brutalität der Stasi findet auch hier und heute noch ihre nahtlose Fortsetzung in der Borniertheit bundesrepublikanischer Amtsschimmel und der Arroganz junger, aber "allwissender" Ärzte und "allzuständiger" Sozialarbeiter und bringt diese Frauen um ihre kärglichen Renten und die erhoffte Linderung ihrer durch Zwangsarbeit und Erfrierungen, Hunger und Gewalttätigkeiten aller Art teuer genug "erworbenen" Leiden ! Wer sich bislang ein positives Verhältnis zu Amtsärzteschaft und Sozialbürokratie erhalten konnte, mag hier die andere Seite dieser Medaille in ihren dunkelsten Aspekten studieren .

Gerade zu einer Zeit, in der sich selbst nur notdürftigst gewendete exkommunistische Parteien und Strukturen wieder als regierungs- bzw. salonfähig anzudienen suchen, der Jugend aber selbst die einst so eindrucksvollen handgreiflichen Belege des Gegenteils - wie die Mauer, der Todesstreifen usw. - nicht mehr vor Augen gestellt werden können, sollte dieses Buch gerade unter dieser weite Verbreitung finden. Wenn dann ihm und seinem Anliegen auch nur ein Bruchteil jenes Öffentlichen Interesses zugewendet wird, mit der in jüngster Zeit Graf Otto Lambsdorffs (kaum je länger als auf maximal drei bis vier schlimme Jahre deportierte) Schützlinge rechnen durften, so sollte sich wenigstens in letztgenannter Hinsicht etwas Wesentliches spürbar ändern, - was dann ein wohlverdienter Erfolg nicht zuletzt der mutigen Herausgeberin wäre !

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